Es ist kein Naturgesetz aber viele Schwule verehren aus unterschiedlichsten Gründen Frauen aus dem Showgeschäft. Meistens sind das Damen aus dem Bereich des Gesangs. Wenn ich jetzt eine Hitliste der unter Schwulen beliebtesten Frauen machen müsste, dann wären ganz vorne dabei: Marlene Dietrich, Hildegard Knef und die unerträgliche Lotti Huber. Schwule mögen diese Frauen, weil sie entweder unglaublich dramatisch sind und in ihren Liedern auch von ihrem Leben mit den Männern berichten oder, weil sie, so wie Frau Huber, unkonventionell schrill sind. Auch noch im Alter. Als wäre das ein Gütesiegel.
In den letzten Tagen habe ich festgestellt, dass ich auch langsam in diese Bereiche vordringe. Am Donnerstag lief im Fernsehen eine Doku über die Jazz/Schlagersängerin
Gitte. Und ich habe mich total in sie verliebt. Was für eine geile Frau. Also künstlerisch gesehen. Was die für tolle Sachen in den Sechzigern gemacht hat. Viel Schlager, klar, aber auch Jazzsachen. Die fand ich richtig gut. Und die Ausschnitte aus den Sechzigern hatten natürlich einen tollen Effekt. Und als in der Doku dann die Achtziger beginnen, habe ich mich gleich an die Songs erinnert, die sie in dieser Zeit rausgebracht hat. Die fand ich schon als Kind unglaublich gut. Mir ist sogar eingefallen, dass ich Anfang der Neunziger, in meiner ersten Pubertät, den Wunsch hatte, mir diese Platten zu kaufen. Diese und dann noch gerne Platten von Udo Jürgens. Ich habe aber weder Tonträger von Gitte noch von Udo Jürgens. Ich werde es aber nachholen und dann den ganzen Tag Gitte und Udo hören. Ich denke, nachdem sich die Leute in meinem Haus an Culture Club, nicht nur die Singles, sondern ganze Alben, gewöhnt haben, werden sie da als nächstes durch müssen.
Dann lief am Dienstag eine Doku über das Leben der
Kessler-Zwillinge und auch da war ich erstaunt, was die für geile Sachen gemacht haben. Die waren good friends von Dean Martin und Frank Sinatra, hatten Shows in Frankreich, in Italien und dann auch in Deutschland. Die Doku war fantastisch, weil die beiden, die sind jetzt mittlerweile wohl 70, so unglaublich witzig waren. Unterhaltsam, nicht schrill, wie dei Huber. Die haben sich gegenseitig überhaupt nicht ernst genommen. Haben immer gestichelt, sich auf den Arm genommen, witzig geguckt, wenn die andere was Doofes gesagt hat, es war zum Quietschen.
Und dann höre ich seit Wochen wieder meine
Alexandra-Platten. Und Alexandra ist meine Göttin. Wenn ich als Schwuler eine imposante, dramatische und göttliche Frauengestalt verehren muss, dann ist das Alexandra. Die habe ich auch schon als Kind gemocht, noch vor meiner ersten Pubertät. Immer schon. Dabei ist Mein Freund der Baum noch am unwichtigsten. Der Rest, der Rest ist unglaublich. Illusionen, Grau Zieht Der Nebel und Solenzara. Hammer. Komm ich voll klar mit.
Ja, so läuft das also. Woran es auch immer liegen mag, dass Schwule das brauchen, ich bin dabei und will gar nicht wissen, weshalb es so ist.
Nachtrag: Kurz nachdem ich diesen Beitrag geschrieben habe, lief auf dem Bayerischen Fernsehen eine Doku über
Manuela.
Und deren Geschichte ist mal so richtig tragisch. Musikalisch nicht ganz so toll wie Gitte und Alexandra aber einige wuchtige Ohrenbumser dabei. Und wie gesagt. Suuuuupertragisch.
Brohm - 15. Jul, 21:56